DRUCKEN

Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege – ein Erfolgskonzept


Logo Qualitätssicherung

up

Aktuelle Auswertungen

linkErfolgreiche Hausbesuche von Jänner bis Juni 2016 (1.2 MB)

linkErfolgreiche Hausbesuche von Jänner bis Dezember 2015 (1.3 MB)

linkErfolgreiche Hausbesuche von Jänner bis Dezember 2014 (1.2 MB)

linkErfolgreiche Hausbesuche von Jänner bis Dezember 2013 (1.4 MB)

linkErfolgreiche Hausbesuche von Jänner bis Dezember 2012 (1.3 MB)

linkErfolgreiche Hausbesuche von August bis Dezember 2011 (679.9 KB)


up

Das Pflegegeld und seine Treffsicherheit

In der politischen Diskussion stellte sich relativ rasch die Frage, ob das Pflegegeld auch tatsächlich zur Abdeckung der pflegebedingten Mehraufwendungen herangezogen wird. Ob die Betreuungsleistungen von außen oder innerhalb der Familie erbracht werden, liegt im Ermessen der Pflegegeld beziehenden Person; entscheidend dafür ist, dass eine ausreichende Qualität gesichert ist.

Um diese Frage beantworten zu können, wurde in den 90er Jahren die Wirtschaftsuniversität Wien vom damaligen Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales beauftragt, die Auswirkungen des Pflegevorsorgesystems zu analysieren. Diese Studie konstatiert dem Pflegegeld einen hohen Zielerreichungsgrad. Aus der empirischen Untersuchung lassen sich keine konkreten Hinweise auf eine missbräuchliche Verwendung des Pflegegeldes ableiten.

Nur in sehr wenigen Fällen ist eine Umwandlung des gesamten oder eines Teiles des Pflegegeldes gemäß § 20 Bundespflegegeldgesetz (BPGG) in Sachleistungen erforderlich. Diese hat daher keineswegs Strafcharakter, sondern dient ausschließlich dem Schutz der pflegebedürftigen Menschen.

Allerdings weist die Studie auf Informationsprobleme hin, denen mehr Augenmerk geschenkt werden sollte. Eine umfassende Information schafft die Voraussetzung dafür, dass das Betreuungsarrangement bedarfsgerecht gestaltet und die Pflege in hoher Qualität erbracht werden kann. Dafür ist die Kenntnis der jeweiligen konkreten Pflegesituation erforderlich, weil wohl in jedem Fall von einem individuellen Maßstab und den besonderen Bedürfnissen der
Betroffenen auszugehen ist.

Diese Studienergebnisse und die gesammelten Erfahrungen wurden zum Anlass genommen, Maßnahmen zu ergreifen, um dem bestehenden Informationsmangel zu begegnen und die Qualität der Pflege zu sichern bzw. zu verbessern. So wurde durch die Novelle zum BPGG, BGBl. I Nr. 69/2001, mit dem § 33 a eine Bestimmung in das BPGG aufgenommen, die es den Entscheidungsträgern ermöglicht, in Form von Hausbesuchen zu überprüfen, ob eine den Bedürfnissen der pflegebedürftigen Person entsprechende Pflege gegeben ist, und erforderlichenfalls zu deren Verbesserung beizutragen.

In den Jahren 2001 und 2003 wurden dazu zwei wissenschaftlich begleitete Projekte durchgeführt, die zum Ergebnis hatten, dass die Qualitätssicherung in Form von Hausbesuchen durch diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP) besonders zielführend ist. Es war daher naheliegend, dieses Konzept nicht nur weiterzuverfolgen, sondern auch auszubauen und zu institutionalisieren. Die SVB hat sich bereit erklärt, die bundesweite Organisation und Koordinierung für sämtliche Entscheidungsträger zu übernehmen und dafür das Kompetenzzentrum „Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege“ einzurichten.

up

Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege (QSPG)

Im Rahmen dieser Qualitätssicherungsmaßnahmen werden die Betroffenen von DGKP zu Hause besucht, die die konkrete Pflegesituation und -qualität mittels eines standardisierten Situationsberichtes erfassen. Der Schwerpunkt der QSPG liegt im Ausgleich des hohen Informations- und Beratungsdefizites in der häuslichen Pflege und Betreuung, besonders bei der Gruppe der pflegenden Angehörigen.

Im ersten Halbjahr 2013 war bei 91,82 Prozent der insgesamt 12.909 besuchten Pflegegeldbezieher aller Berufsgruppen eine Information und Beratung erforderlich, wobei der größte Bedarf zu folgenden Themen bestand:

Thema absolut Prozent
Angebote von Sozialen Diensten 7.353 56,96
(Versorgung mit) Hilfsmittel 7.215 55,89
Pflegegeld 5.461 42,30
funktionale Wohnsituation 5.329 41,28
Mobilität 4.252 32,94
Ernährung inkl. Flüssigkeitszufuhr 3.647 28,25
Angebote von Kurzzeitpflege 3.444 26,68


Wird ein Informationsbedarf im Bereich der Pflege diagnostiziert, schlägt die DGKP vor Ort eine qualifizierte Lösung bzw. einen Lösungsansatz vor, denn nur im persönlichen Gespräch sind der genaue Informationsbedarf und dessen Hintergründe klar erkennbar und dadurch eine schnelle und gezielte Beratung möglich.

up

Handbuch zum Erhebungsinstrument

Das Handbuch macht mit dem Konzept der Qualitätsmessung und den Qualitätsindikatoren vertraut, erklärt den Aufbau und dient als Orientierungshilfe beim Ausfüllen des Erhebungsinstrumentes (Situationsbericht).

linkHandbuch zum Erhebungsinstrument (2.1 MB)

up

Neue Qualitätsindikatoren

Die Institution QSPG hat im Laufe der Jahre immer auf die Bedürfnisse der Betroffenen Bedacht genommen und ihre Arbeit entsprechend angepasst, wodurch die Bandbreite des Serviceangebotes laufend umfangreicher wurde und somit auf die individuelle Problematik gezielt eingegangen werden kann.

Um die Qualität der Pflege noch genauer erfassen zu können, hat das Forschungsinstitut für Altersökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien – beauftragt vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) – ein Konzept zur Messung der Ergebnisqualität der häuslichen Pflege und Betreuung anhand objektiver und intersubjektiv nachvollziehbarer Qualitätsindikatoren entwickelt, die systematisch die Qualität der Pflege abbilden und allgemein gültig sind. Mit diesen neuen Parametern, die seit August 2011 zur Anwendung kommen, wird die Aussagekraft über die Qualität der häuslichen Pflege erhöht, weil eine feinere Abstufung der Bewertungsmöglichkeiten und damit ein differenzierteres Bild über die Versorgungssituation ermöglicht wird. Erhoben und bewertet wird die Qualität der Versorgungssituation in den sechs wichtigsten pflege- und betreuungsrelevanten Lebensbereichen (Domänen).

Domänen - Grafik


  • A: Betreuungs- und Pflegeaufwand wird durch die geleistete Hilfe vollständig und zuverlässig abgedeckt.
  • B: Pflegebedarf ist nicht vollständig und/oder zuverlässig abgedeckt.
  • C: Anzeichen, dass die physische/mentale Gesundheit in absehbarer Zeit beeinträchtigt werden kann (C+) oder bereits beeinträchtigt ist.

Bei den Hausbesuchen, die zur Zeit von rund 140 DGKP absolviert werden, steht ausschließlich die Hilfe im Vordergrund und nicht die Überprüfung der Einstufung des Pflegegeldes sowie des rechtlichen Status der betreuenden Person.

Die vordergründigen Ziele, die die QSPG im Rahmen der Hausbesuche verfolgt, sind:

  • umfassende Informationsweitergabe,
  • Anleitung und Schulung der privaten Hauptpflegeperson,
  • Hilfestellung und Beratung beim Umgang mit dementen Menschen,
  • Beratung bei der Organisation von Hilfsmitteln etc.,
  • Information über aktive Selbsthilfegruppen und psychologische Betreuung.

Zudem sind vor allem auch die vorbeugenden und somit nachhaltigen Handlungen bzw. Informationen von Seiten der DGKP von großer Wichtigkeit, die eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der pflegebedürftigen Person oft verzögern, wenn nicht sogar verhindern; gleichermaßen profitieren auch die pflegenden Angehörigen von diesen Anstrengungen. Dies trägt wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen bei.

Die wichtigsten Präventivmaßnahmen betreffen die

  • Aufklärung über die Gefahren von Stufen, Staffeln, losen Teppichen, fehlenden Haltegriffen usw., um Stürze zu verhindern,
  • richtige und schmerzfreie Lagerung ohne körperliche Anstrengung für die pflegende Person,
  • richtige Ernährung und Flüssigkeitszufuhr – besonders bei Diabetikern hervorzuheben sowie
  • entsprechende Einnahme von Medikamenten.

up

Umfangreiches Erfolgskonzept

Wie erfolgreich und umfangreich diese Vorortmaßnahmen der QSPG seit ihrer Einführung sind, zeigen die überaus positiven Reaktionen aller beteiligten Personen und die hohe Anzahl der bereits durchgeführten Hausbesuche: Mehr als 140.000 pflegebedürftigen Menschen, das sind rund 33 Prozent aller Pflegegeld beziehenden Personen, wurde bereits eine persönliche und individuelle Hilfestellung geboten.

Der Einsatz von kompetenten DGKP, die dafür bestens prädestiniert sind, hat sich bewährt.

Begonnen wurde im Jahr 2001 mit rund 1.000 Hausbesuchen jährlich. Aufgrund der rasch erkannten Notwendigkeit in dieser Sache ist die Anzahl dieser Zielgruppe seitens des BMASK sukzessive angehoben worden. In den letzten Jahren wurde die QSPG mit der Durchführung von mindestens 20.000 erfolgreichen Hausbesuchen pro Jahr bei Pflegegeld beziehenden Personen beauftragt.

Darüber hinaus hat die QSPG im Rahmen der 24-Stunden-Betreuung beinahe 11.000 Hausbesuche für das Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen organisiert und absolviert. Zum überwiegenden Teil werden hier pflegebedürftige Personen aufgesucht, bei denen der Hausbesuch Fördervoraussetzung ist, weil die Betreuungsperson weder über eine theoretische Ausbildung noch über eine fachspezifische Ermächtigung zu pflegerischen Tätigkeiten verfügt.

up

Fazit

All diese Tatsachen zeigen deutlich, dass die Pflegebedürftigkeit wesentlich komplexer ist, als sie mit der Gewährung bestimmter, laufender Geldleistungen allein als erledigt zu betrachten, wie wohl das Pflegegeld für die Pflege zu Hause eine wesentliche und nicht mehr wegzudenkende Unterstützung darstellt.

Die Förderung der Pflege zu Hause und die bestmögliche Unterstützung der pflegenden Angehörigen, besonders auch durch die Aufgaben der QSPG, sind daher aus sozialpolitischer Sicht der richtige Weg, um ein qualitativ hochwertiges und finanziell leistbares System der Pflege in Österreich auch weiterhin auf diesem hervorragenden Niveau gewährleisten zu können.

Aber immer wieder erfordern neue Erkenntnisse in der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen – neben der demografischen Veränderung werden auch die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen und die der Pflegepersonen im Laufe der Zeit andere – neue Entscheidungen der Sozialpolitik und Flexibilität im System der Pflegevorsorge sowie effiziente und professionelle Konzepte für eine ausreichende Hilfestellung – individuell, bedürfnisorientiert, regional und nachhaltig.

Zuletzt aktualisiert am 18. Mai 2016