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Fachliteratur


Kurzzusammenfassung der rezenten Fachbeiträge zum Thema Arbeitsmedizin in der Landwirtschaft von Dr. Herbert Rohn


Muskel-Skeletterkrankungen in Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau – Diagnose und Berufsspezifische Auswertung von Arbeitsunfähigkeitsdaten

Es wurden im Rahmen eines Projektes der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Berlin die Arbeitsunfähigkeitsdaten des Jahres 2003 aus vier gesetzlichen Krankenkassen mit Schichtung nach Beruf, Alter sowie Geschlecht angefordert und diagnose- sowie berufsspezifisch ausgewertet.

Männer hatten hierbei in vier Berufsgruppen signifikant häufiger Arbeitsunfähigkeitsfälle, insbesondere Gärtner mit Gelenksschleimbeutel-, Sehnenscheidenentzündungen und Rückenschmerzen.

Weiters zeigten Waldarbeiter erhöhte Arbeitsunfähigkeitsfallzahlen für die Diagnosen Neuropathie, Carpaltunnelsyndrom und Coxarthose.  

Frauen in den Berufen als Gärtnerin, Tierpflegerin, Melkerin, Floristin, Waldarbeiterin sind in ähnlicher Weise betroffen.

Untersuchung von Arbeitnehmern in einem Geflügelzuchtbetrieb – Follow up:

Vor zwei Jahren wurden 36 Beschäftigte eines neu gegründeten Geflügelzuchtbetriebes mittels eines Fragebogens zu Atemwegsbefunden, immundiagnostisch und lungenfunktionsdiagnostisch vor und nach einer Arbeitsschicht untersucht. Die Arbeitsplatzbelastung wurde personenbezogen erfasst.

In den Ställen wurden Arbeitsschichtkonzentrationen für atembaren Staub bis zu 9,8mg pro m³, von Schimmelpilzen bis 106 KBE/m³  Bakterien bis zu 320 KBE/m³ und Endotoxinen mit 34.000 EU/m³ gemessen.

Bei den untersuchten Stallarbeitern konnte keine Einschränkung der Lungenfunktionsparameter FEV1, VC Max und MEF über die Arbeitsschicht gefunden werden. Auch in der Immundiagnostik waren keine Belastungseffekte über die Schicht erkennbar. Langzeiteffekte müssten unter diesen Bedingungen untersucht werden.

Vorratsmilben – wichtige Inhalationsallergene in der Landwirtschaft

Untersuchungen des Milbenartenspektrums auf 121 Bauernhöfen in Deutschland verdeutlichen, dass die Artenvielfalt weit größer ist als bisher angenommen.

In 70 Prozent der Betriebe kamen Vorratsmilben, die zu Sensibilisierungen geführt hatten vor und die in bisherigen allergologischen Testextrakten nicht verfügbar waren. Somit hätten diese Milbenallergiker unter Zugrundelegung des bisher erhältlichen Extraktes nicht als Vorratsmilbenallergiker identifiziert werden können.

Endotoxinkonzentrationen in unterschiedlichen Ställen


Endotoxine sind Wandbestandteile gramnegativer Bakterien, die organische Stoffe in der Landwirtschaft unter bestimmten Umgebungsbedingungen besiedeln. Unterschiedliche Stallsysteme könnten zu unterschiedlichen Gefährdungen betreffend der Endotoxinkonzentration in luftgetragenen und sedimentierten Stäuben führen.

Deshalb wurden im Jahre 2004 - 2005 Endotoxinmessungen in verschiedenen Ställen (fast alle mit freier Lüftung) mit Bullen-, Schweinemast, Milchvieh-, Legehennen-, und Putenhaltung durchgeführt.

Die gefundenen Endotoxinkonzentrationen differierten beträchtlich im Rahmen von 2,8 - 21.900 EU/m³. Die höchsten Endotoxinstaubfraktionen fanden sich in Puten- und Schweineställen, gefolgt von Bullenmast- und Hühnerställen, wobei Milchviehbetriebe deutlich unter dem geplanten Grenzwert für einatembare Endotoxine mit 50 EU/m³ lagen.

Hypothenar-Hammer-Syndrom: Betroffene Berufsgruppen

Beim Hypothenar-Hammer-Syndrom handelt es sich um eine selten diagnostizierte arterielle Durchblutungsstörung, die meist die Finger drei bis fünf der rechten Hand betrifft.

Auslöser sind einmalige, häufiger aber rezidivierende stumpfe Gewalteinwirkungen auf die Hypothenarregion der Hand. Die Faust wird hier von den Betroffenen wie ein Hammer benutzt.

Die Auswertung der Daten des Hauptverbandes der Berufsgenossenschaften zeigt, dass die meisten Fälle von Hypothenar-Hammer-Syndrom im KFZ-Bereich diagnostiziert wurden.

Jedoch stammen immerhin 20 Prozent aller Hypothenar-Hammer-Syndrome aus den forst- und landwirtschaftlichen Berufen. Auslöser sind hier in über 80 Prozent rezidivierende Traumen. Somit werden auch in landwirtschaftlichen und Forstberufen die Prävention zur Vermeidung des Hypothenar-Hammer-Syndroms empfohlen.

Primärprävention von berufsbedingter Rinderallergie in landwirtschaftlichen Berufsschulen

Atemwegsallergien durch Rinderallergene sind von großer Bedeutung in der Landwirtschaft, sodass vorrangig primärpräventive Gegenstrategien entwickelt werden sollten.

Hierzu wurde ein Projekt gestartet, welches landwirtschaftlichen Auszubildenden geeignete Schutzmaßnahmen zur Primärprävention in der Rinderhaltung vermittelt.

Im Rahmen des Projektes wurden 60 landwirtschaftliche Schüler und Schülerinnen im Rahmen eines Seminars, einer Lehrschau und von praktischer Arbeit im Stall geschult. In der Evaluation gaben 80 Prozent der Schüler an, viel über Rinderallergie dazu gelernt zu  haben und 86 Prozent konnten typische Manifestationsformen von Allergien beschreiben.

Es kann daher die Empfehlung gegeben werden, theoretische und praktische Informationen über berufsbedingte Allergieproblematik, nicht nur in Bezug auf Rinderhaltung, fix in das Bildungsangebot der landwirtschaftlichen Schulen einzubinden.

UV-exponierte Berufe und Hauttumore

Es wurde eine berufsbezogene Auswertung von Daten des Krebsregisters Rheinland-Pfalz betreffend Hauttumore durchgeführt.

Hierbei fanden sich 3.200 maligne Melanome, 5000 Plattenepithelkarzinome und 20.700 Basaliome. Diese Erkrankungen wurden potentiell UV-exponierten Außenberufen, wie Bauarbeiter, Winzer, Landwirt, Landarbeiter, Gartenbauer und Waldarbeiter, zugeordnet und mit Beschäftigten in Dienstleistungsberufen (ohne Außentätigkeit) gegenübergestellt.

Hierbei konnte insgesamt für das maligne Melanom keine signifikant erhöhtes Erkrankungsrisiko gefunden werden. Jedoch fand sich für einen histologischen Melanomtyp, den superfiziell spreitende Melanom ein deutlich erhöhtes Risiko bei Winzerinnen und für das Lentigo-maligna-Melanom ein signifikante erhöhtes Risiko für Landwirtinnen und Landarbeiterinnen .

Bauern beides Geschlechtes, Winzer sowie männliche Bauarbeiter, wiesen ein signifikant erhöhtes Risiko für ein Plattenepithelkarzinom der Haut auf, zudem wird für das Plattenepithelkarzinom von einer klaren Dosis Wirkung Beziehung auf Exposition und Erkrankungswahrscheinlichkeit ausgegangen (Diepken und Drechsler 2004/05). Wobei festgestellt wurde, dass das Risiko für Bäuerinnen und weibliche Winzer fast noch einmal doppelt so hoch ist wie für Bauern und Winzer.

Für Basaliome finden sich nur leichte Risikoerhöhungen in einigen UV-exponierten Berufen, bei männlichen Gartenbauern und Winzerinnen. Ein signifikant erhöhtes Risiko für Basaliomerkrankung weisen wiederum Bäuerinnen auf.

Nachdem es für die Art der UV-Exposition Berufliche und Nichtberufliche zu unterscheiden ist, sollten weitere Studien erfolgen, die eine Abschätzung der kummulativen beruflichen wie nicht beruflichen UV-Exposition sowie auch der akuten intermittierenden UV-Exposition leisten.

Arsenerkrankungen der Winzer

Weinbauern mit früherer Arsenexposition im Rahmen einerseits des Spritzens und andererseits Aufnahme von sogenanntem Haustrunk gibt es nur noch unter den älteren Austragbauer und -bäuerinnen.

Typische Veränderungen durch chronische Arsenexposition sind Hornperlen an Händen und Füßen, Arsenkeratosen, Plattenepithelkarzinome und Basaliome, insbesondere multiple Basaliome an der Haut.

Auch Harnblasenkarzinome und bestimmte Bronchialkarzinome sind als Berufskrankheiten bei langer Arsenexposition beschrieben. Somit ist bei älteren österreichischen Weinbauern mit oben beschriebenen Krankheitsbildern zu rechnen.

Nicht tödliche Sturz- und Fallunfälle in der Landwirtschaft waren deutlich assoziiert mit einem Alter zwischen 40 und 60 Jahre. Arthritis- und Rheumaerkrankungen, Schwerhörigkeit und Medikamenteneinnahme der Betroffenen (OR bis zu 2,2).

Belastung durch luftgetragene biologische Arbeitsstoffe in verschiedenen Schweinemasthaltungssystemen

Beschäftigte in der Schweinemast zeigen eine hohe Exposition gegenüber luftgetragene biologischen Arbeitsstoffen (Bakterien, Schimmelpilze, Endotoxine). Es wurden konventionelle Haltungssysteme und ökologische Haltungssysteme (eingestreut, freie Lüftung mit Fenster, Trockenfütterung ad libidum und 1,3 qm² pro Tier) verglichen. Hierbei zeigte sich ein deutlicher Vorteil für die ökologische Schweinemast. Die Freisetzung von luftgetragenen biologischen Arbeitsstoffen kann mittels angepasster Lüftung, entsprechender Stallarchitektur und Fütterungsregime moduliert werden.

Sehen bei schlechtem Licht

Gerade im Bereich landwirtschaftlicher Arbeitsplätze herrschen oft keine optimalen Lichtbedingungen, zB bei Dämmerungslicht. Ab dem 50 Lebensjahr kommt es zu einer massiven Einschränkung der Dämmerungssehfähigkeit und der Blendungsempfindlichkeit. Schlechtes Dämmerungssehen, zB bei grauem Star (Linsentrübung), Fehlsichtigkeit, trockenem Auge, beinhaltet unter den entsprechenden Bedingungen ein dreifach erhöhtes Risiko für Unfälle.

Fazit: Die Versorgung eines entsprechenden Sehfehlers und die Behandlung des grauen Stars sowie die ausreichende zusätzliche Beleuchtung sind besonders für landwirtschaftliche Arbeitsplätze sicher zustellen.

Einfluss von Nutztierhaltungsbedingungen auf die Konzentration von Luft getragenen biologischen Arbeitsstoffen (BA) und Staub an Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft. Schlussfolgerungen:

Einstreuarme, einstreulose Haltungsformen = geringste Belastung mit BA und Staub. Prävention technisch organisatorisch Einbau einer Lüftungstechnik. Keine oder wenig Einstreu guter Qualität. Persönlicher Arbeitsschutz: Partikelfiltrierende Halbmaske mindestens FFP 2.

Wichtige zusätzliche Informationen


Wenn Sie Interesse an einer dieser Publikationen haben, können Sie diese kostenlos unter der Telefonnummer +43 (1) 797 06 - 2205 DW oder per e-mail (rechts unter "Kontakte") bestellen.

  linkArbeitsmedizinisches Kompendium Teil 1 (1.7 MB) 

  linkArbeitsmedizinische Woche 1999 - 2004; Gesamtanalyse (2.8 MB) 

  linkInformation für Geflügelhalter (54.5 KB) 

  linkArbeitsmedizinisches Kompendium Teil 2 (3.2 MB) 

  linkZusammenfassung Arbeitsüberlastung im bäuerlichen Bereich (3.7 MB) 

  linkZusammenfassung Staubschutzstudie II (1.5 MB) 

  linkÖsterreichisches Forum Arbeitsmedizin - Hautschutz (592.1 KB) 

  linkRinderhaarallergie in Schwaben 2001 bis 2003 (38.8 KB) 

Zuletzt aktualisiert am 01. April 2015