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Biologische Arbeitsstoffe


Das Berufskrankheitsgeschehen wird bei den Bauern dominiert durch die zecken- übertragenen Zoonosen, Frühsommer-Meningoenzephalitis mit rund 270 Fällen seit 1970 und Borreliose mit rund 190 Fällen seit 1988. Betroffen sind vor allen Dingen Bauern ab dem 51. Lebensjahr.

Die sogenannte Ehrlichiose, auch von Zecken übertragen, ist bei uns noch nicht registriert worden. Wir gehen jedoch von einer analogen Seroprävalenz, wie bei den besonders Zecken exponierten Bauern in Bayern, von ungefähr 14 Prozent aus.

Wir wissen aus verschiedenen Umfragen, dass ungefähr 20 Prozent  der aktiv tätigen Bauern nach wie vor nicht gegen FSME durch Impfung geschützt sind, obwohl die Impfung im Rahmen der bäuerlichen Unfallversicherung kostenlos angeboten wird.

Ansonsten registrieren wir nur vereinzelt Zoonosen als Berufskrankheiten. Hier stehen die Melkerknoten weit im Vordergrund mit 12 Fällen, vereinzelt Fälle von Tularämie, Toxoplasmose und Trichophytie.

Eine hohe Dunkelziffer wird im Bereich parasitären Zoonosen vermutet. Hier hat man anlässlich einer kleinen Studie, die von Dr. Deutz in der Steiermark durchgeführt wurde, festgestellt, dass doch immerhin fast die Hälfte aller aktiven Bauern und Bäuerinnen (Hühnerhalter!) positive Antikörper gegenüber Hunde- und Katzenspulwurm, zu 80 Prozent gegenüber Toxoplasmose, zu 20 Prozent gegenüber Schweinegrippe und zu sieben Prozent gegenüber Echinokokken haben.

Im Rahmen dieser Studie wurden bei zwei Bäuerinnen bis dato unbekannte Fuchsbandwurmerkrankungen neu diagnostiziert und einer entsprechenden Behandlung zugeführt. Dr. Deutz gibt das Risiko für Echinokokkose in der Landwirtschaft, verursacht durch wilde und halbwilde bzw. streunende Katzen, mit einer Vervierfachung an. Das Risiko an Toxocariose zu erkranken, korreliert mit dem Halten von Hunden und Katzen und ist um das 2,2 fache in der Landwirtschaft erhöht.

Was die Zoonosen betrifft, so stehen offensichtlich, mit Ausnahme der von Zecken übertragenen Erkrankungen, die stummen Infektionen mit Antikörperbildung weit im Vordergrund. Schwerere Verläufe sind selten, kommen aber immer wieder vor.

Wie bekannt, können biologische Arbeitsstoffe, die in landwirtschaftlichen Stäuben enthalten sind, wie zB Bakterien, Bakterienmembranbestandteile und Pilzsporen, auch allergische und toxische Reaktionen auslösen im Sinne eines allergischen Asthma bronchiale bzw. einer exogen allergischen Alveolitis.

Hier sieht die Sozialversicherungsanstalt der Bauern, im Bereich der Farmerlunge, etwa 40 neue Erkrankungen pro Jahr, beim allergischen Asthma bronchiale sind es etwa 30 Fälle. Deutlich unterrepräsentiert ist das toxisch-irritative Asthma, zB auf Rinderepithelien, Heustaub etc. mit etwa 6-10 Fällen pro Jahr.

Der Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen ist auch für die Landwirtschaft im Bereich der einzelnen Länder als Verordnung geregelt, zB in Salzburg durch die Verordnung der Salzburger Landesregierung vom August 2001 über den Schutz der Landes- und Gemeindebediensteten  sowie der Dienstnehmer in der Land- und Forstwirtschaft gegen Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe (Biologische Arbeitsstoffverordnung-BAV).

Hier ist alles geregelt von der Definition der biologischen Arbeitsstoffe bis hin zur Ermittlung der Gefahren, hygienischer Maßnahmen, persönliche Schutzausrüstung und freiwilliger medizinischer Untersuchung auf Verlangen der Mitarbeiter. Der Umfang der Untersuchung ist jedoch im Bereich der Landwirtschaft derzeit noch nicht festgelegt.

Dies ist an anderer Stelle geschehen im Bereich der Verordnung zur Gesundheitsüberwachung im Rahmen des Arbeitnehmerschutzgesetzes. Hier wird eine jährliche Untersuchung, die den exponierten Mitarbeitern angeboten werden muss, definiert.

Auch die in der Landwirtschaft vorkommenden biologischen Arbeitsstoffe sind gemäß der Organismenlisten betreffend der zu zuordneten Risikogruppe definiert.

Grenzwerte sind für die unbeabsichtigte Verwendung nicht festgelegt, lediglich die bekannten allgemeinen Grenzen für Grob- und alveolengängigen Feinstaub.

Standardisierte Tests, zB zur Bestimmung der Endotoxinkonzentration sind zur Beurteilung der Gefährdung nicht vorgeschrieben.

Von Seiten der Sozialversicherungsanstalt der Bauern werden vor allen Dingen im Rahmen der Sicherheitsberatung Maßnahmen zur Staubminimierung und der Hygiene und die Beratung bezüglich der persönlichen Schutzausrüstung forciert.

Von Seiten der Arbeitsmedizin werden naturgemäß die präventiven Impfmöglichkeiten bzw. die Früherkennung von Berufskrankheiten, die durch biologische Arbeitsstoffe verursacht werden, beworben.

Diesbezüglich stellt die Sozialversicherungsanstalt der Bauern auch verschiedene Merkblätter zur Verfügung. Hier finden Interessierte auch neuere Informationen zum Thema „Biologische Arbeitsstoffe“. Die Versicherten können sich hier zB auch Evaluierungsunterlagen downloaden.

Die Diskussion um die Vogelgrippe hat natürlich den Schutz vor biologischen Arbeitsstoffen, auch im Bereich der Landwirtschaft in den Vordergrund gespielt. Hier hat es entsprechende Empfehlungen (Stallpflicht, persönliche Schutzausrüstung) gegeben.

Zuletzt aktualisiert am 12. März 2015