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Landwirtschaftliches Praktikum im Ausland - wie bin ich gesetzlich versichert?


Die Landwirtschaft in anderen Ländern zu kennen und Fremdsprachen zu können sind für das spätere Berufsleben von jungen Menschen nur von Vorteil. Eine solche Erfahrung ist wertvoll für den weiteren beruflichen Weg und die persönliche Entwicklung. Die Landjugend Österreich bietet Jugendlichen die Möglichkeit, landwirtschaftliche Berufserfahrung außerhalb der Alpenrepublik zu sammeln. Wer den Schritt zum Auslandspraktikum wagt, sollte jedoch den gesetzlichen Versicherungsschutz nicht vergessen. Im folgenden Artikel lesen Sie wichtige Informationen über ein landwirtschaftliches Auslandspraktikum und den gesetzlichen Versicherungsschutz.

  

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Landwirtschaftliches Praktikum im Ausland über die Landjugend Österreich

Mit der Registrierung in der Online-Datenbank der Landjugend und dem Hochladen der Bewerbungsunterlagen – bestehend aus Lebenslauf, Bewerbungsfoto, Motivationsschreiben und ein bis zwei Referenzschreiben – beginnt die Suche nach dem passenden Betrieb. Dabei sind folgende Fristen zu beachten: Bei der Variante „Erasmus+“ ist die Anmeldefrist immer der 31.12. für das Praktikum im darauffolgenden Sommer. Wird ein Europapraktikum ohne Erasmusförderung absolviert, muss die Anmeldung spätestens drei Monate vor Praktikumsbeginn erfolgen – und bei einem Praktikum in Übersee (USA, Kanada, Neuseeland) spätestens fünf Monate vor Praktikumsbeginn mit einem Mindestalter von 18 Jahren.

 

„Die Landjugend Österreich vermittelt ausschließlich landwirtschaftliche Praktika, daher sind landwirtschaftliche Erfahrungen Pflicht“, erklärt Programmkoordinatorin der Landjugend Österreich, Mag. Barbara Sterkl. Die Hauptzielgruppe sind Schülerinnen und Schüler von landwirtschaftlichen Fachschulen oder höheren landwirtschaftlichen Schulen, die im Rahmen ihrer Ausbildung ein 4-16-wöchiges Pflichtpraktikum absolvieren müssen. Im Herbst veranstaltet Frau Mag. Sterkl eine Informationstour in den Landeshauptstädten und direkt an den höheren landwirtschaftlichen Schulen, stellt die Praktika vor und beantwortet die Fragen von interessierten Schülerinnen und Schülern. Besonders beliebt bei den Jugendlichen ist Irland – 100 von 270 Bewerbern entschieden sich im Jahr 2017 für die „Grüne Insel“.

Hat die Partnerorganisation der Landjugend den passenden Betrieb im Wunschland gefunden, kann das Abenteuer „landwirtschaftliches Auslandspraktikum“ beginnen. Abhängig von der Betriebssparte (z.B. Milchviehbetrieb, Ackerbau, Weinbau) kommen unterschiedliche Aufgaben auf den Praktikanten zu. Die Arbeitszeit beträgt je nach Länderwahl in Europa zwischen 35 und 45 Stunden pro Woche, ein Taschengeld von ca. 100 Euro pro Woche – ebenfalls abhängig vom Land, in dem das Praktikum absolviert wird, und der Dauer des Praktikums – ist vorgesehen.

 

Neu ist ein Projekt der Landjugend für Junglandwirte. Nach erfolgreichem Abschluss einer landwirtschaftlichen Ausbildung und aktiver Tätigkeit in der Landwirtschaft können auch Junglandwirte eine Förderung für ein Praktikum in Europa in Anspruch nehmen. Das Praxisland muss innerhalb der EU liegen und der Betrieb kann über eine Partnerorganisation vermittelt werden.

 

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Ländern, Betriebssparten, Voraussetzungen, Mindestalter, Anmeldung etc. finden Sie unter www.landjugend.at oder direkt im Büro der Landjugend bei Mag. Barbara Sterkl.

  

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Ein/e Schüler/in oder Student/in geht auf Auslandspraktikum

 

Praktikum im EU-, EWR- oder Vertragsstaat

Neben der Suche nach dem passenden Betrieb und einer netten Gastfamilie, darf jedoch der gesetzliche Versicherungsschutz im Ausland nicht aus den Augen gelassen werden. Es ist das Territorialitätsprinzip anzuwenden, das heißt, es gelten die sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften jenes Staates, in dem das Praktikum ausgeübt wird. Liegt das monatliche Entgelt unter der österreichischen Geringfügigkeitsgrenze, bleibt die Anspruchsberechtigung der Schülerinnen und Schüler als Angehörige in der Bauern-Krankenversicherung der Eltern in Österreich weiterhin bestehen. Würde jedoch aufgrund der Höhe des Einkommens des Auslandspraktikums in Österreich eine Pflichtversicherung in der Krankenversicherung begründet werden (Einkommen über der Geringfügigkeitsgrenze), besteht keine Anspruchsberechtigung als Angehöriger. In diesem Fall ist, wenn im Aufenthaltsland keine gesetzliche Krankenversicherung besteht, ein Abschluss einer privaten Krankenversicherung zu empfehlen.

  

Mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EKVK) im EU-Ausland

Anspruchsberechtigung als Angehöriger bedeutet, dass die Praktikantin/der Praktikant aufgrund der österreichischen Krankenversicherung auch im Ausland Leistungen des österreichischen Versicherungsträgers mittels der Europäischen Krankenversicherungskarte (EKVK) in Anspruch nehmen kann. Die Rückseite der e-card ist der Schlüssel zur Versorgung im Krankheitsfall in den EU-Mitgliedstaaten, EWR-Staaten, der Schweiz, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Die Praktikantin/der Praktikant hat Anspruch auf Sachleistungen, die sich während ihres Aufenthalts als medizinisch notwendig erweisen, unter Bedachtnahme der Dauer des Aufenthalts. Wenn die Praktikantin/der Praktikant, die/der als Angehörige/r bei der SVB krankenversichert ist, einen Arzt im EU-Ausland in Anspruch nimmt oder ein Krankenhaus besucht, sollte sie/er so früh wie möglich die EKVK herzeigen. Die Vertragsärzte und -krankenanstalten im Ausland sind dazu verpflichtet, die EKVK zu akzeptieren und die Praktikantin/den Praktikanten wie einen nationalen Patienten zu behandeln. Bei Ärzten und Spitälern, die keinen Vertrag mit der Sozialversicherung des Aufenthaltsstaates haben, muss die Rechnung – so wie in Österreich – vorerst selbst bezahlt werden und anschließend kann bei Vorlage der Privatrechnung und des Zahlungsnachweises ein Kostenzuschuss bei der SVB beantragt werden.

 

Nähere Informationen zur EKVK finden Sie hier:. Wichtige Fragen zur EKVK

  

Praktikum in Übersee

Absolviert die Schülerin/der Schüler bzw. die Studentin/der Student das Praktikum in Übersee, wie z.B. USA oder Kanada, bleibt sie/er zwar weiter bei der SVB als Angehörige/r krankenversichert, kann in diesen Staaten aber keinen direkten Sachleistungsanspruch zu Lasten des österreichischen Krankenversicherungsträgers geltend machen, sondern hat die Leistung selbst zu bezahlen. Da dies teuer werden kann, ist ein Abschluss einer Privatversicherung jedenfalls anzuraten. Es besteht aber die Möglichkeit, die Rechnung des Arztes oder der Krankenanstalt – so wie nach einem Wahlarztbesuch in Österreich – bei der SVB einzureichen um einen Kostenzuschuss nach den österreichischen Bestimmungen zu erhalten.

  

Unfallversicherungsschutz

Handelt es sich bei dem Auslandsaufenthalt um ein unentgeltliches Pflichtpraktikum, das im Rahmen der Schulausbildung absolviert werden muss, so unterliegt der Praktikant/die Praktikantin der Unfallversicherung der Schüler und Studenten in Österreich, für die die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) zuständig ist.

Ab dem Zeitpunkt, ab dem jedoch Entgelt ausbezahlt wird, spricht man von einem Arbeitsverhältnis und es gelten die sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen des Beschäftigungsstaates, die im Falle eines Arbeitsunfalls anzuwenden sind – der österreichische Unfallversicherungsschutz fällt für den Auslandsaufenthalt weg.

Sobald die Praktikantin/der Praktikant nach der Rückkehr ins Heimatland wieder am elterlichen Betrieb zumindest mittätig ist, besteht der österreichische Unfallversicherungsschutz wieder.

  

Auslandspraktika sind nicht nur etwas für Schüler und Studenten, auch zu einem späteren Zeitpunkt sind neue Erfahrungen wertvoll.

 

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Ein/e Betriebsführer/in geht auf Auslandspraxis

Ein Betriebsführer/eine Betriebsführerin kann den land(forst)wirtschaftlichen Betrieb in Österreich auf eigene Rechnung und Gefahr führen lassen und Erfahrungen auf einem ausländischen Betrieb sammeln. Das Versicherungsverhältnis in Österreich und somit auch der Krankenversicherungsschutz bleibt nur dann aufrecht, wenn die Tätigkeit im Ausland kein Dienstverhältnis darstellt und so keine Versicherung im Ausland begründet. Handelt es sich also tatsächlich nur um ein Praktikum und kein Dienstverhältnis bleibt der Versicherungsschutz in Österreich aufrecht, und der Versicherte kann in einem EU-, EWR- bzw. Vertragsstaat Krankenversicherungsleistungen mit der EKVK geltend machen. Begründet die Tätigkeit ein Dienstverhältnis, endet entsprechend der EU-rechlichen Vorschriften die Pflichtversicherung in Österreich. Übt der Betriebsführer das Praktikum in keinem EU-, EWR- oder Vertragsstaat aus, ist auf alle Fälle eine private Krankenversicherung abzuschließen.

 

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Als hauptberuflich Beschäftigter ins Ausland

Sind hauptberuflich tätige Angehörige, die auf einem land(forst)wirtschaftlichen Betrieb beschäftigt sind, an einem Auslandspraktikum interessiert, ist in Hinsicht auf die gesetzliche Krankenversicherung Folgendes zu beachten: Bei einer Unterbrechung der Beschäftigung ist kein Krankenversicherungsschutz in Österreich gegeben. Die e-card wird gesperrt und die EKVK darf nicht in Anspruch genommen werden. Es ist auch nicht möglich, Arztrechnungen bei der österreichischen Sozialversicherung einzureichen, da kein Versicherungsschutz gegeben ist. In diesem Fall muss sich der/die Betroffene selbst um eine Versicherung im Ausland kümmern.

  

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Erfahrungsbericht einer Praktikantin

„Die Arbeit mit den Lämmchen und Kälbchen war etwas ganz besonderes für mich“, berichtet Anna Lippert (26), Studentin an der BOKU Wien und Mitarbeiterin der SVB, ganz begeistert kurz nach ihrer Rückkehr von Norwegen nach Österreich. Anders als die Schülerinnen und Schüler der landwirtschaftlichen Schulen, die im Rahmen ihrer Ausbildung ein Praktikum absolvieren müssen, war es ganz alleine ihre Entscheidung, für zehn Wochen in einem Milchvieh- bzw. Schafbetrieb in Norwegen mitzuarbeiten. Die Landjugend Österreich vermittelt nicht nur Pflichtpraktika an Schülerinnen und Schüler, sie sucht auch für interessierte Personen, die schon Kenntnisse im landwirtschaftlichen Bereich haben, passende Betriebe im Ausland. Anna Lippert ist in Niederösterreich auf einem Bauernhof aufgewachsen und daher mit der Landwirtschaft sehr verbunden. „Ich kann jeden ans Herz legen, den Schritt zu wagen und für einige Wochen wegzugehen!“, empfiehlt die SVB-Mitarbeiterin. „Mir hat es sehr gut gefallen! Es war aber auch eine sehr große Herausforderung, da viel Neues auf mich zugekommen ist, weil wir zu Hause keinen Viehbetrieb haben.“

 

Die Zusammenarbeit mit der Landjugend verlief einwandfrei. Innerhalb weniger Wochen wurde ein passender Betrieb gefunden: Dieser befindet sich auf der Insel Ertvågsøy im westlichen Norwegen. Es handelt sich um keinen klassischen Familienbetrieb, die Betriebsführer entschieden sich auf dem zweiten Bildungsweg für den Beruf als Schafbauer und besuchten viele Kurse, um sich das notwendige Wissen anzueignen. „Die Größe und die Weitläufigkeit der Farm, aber auch der Landschaft ist unvorstellbar“, berichtet die Studentin. Über 100 Schafe, 80 Lämmer, 13 Milchkühe, ein Stier und fünf Kälber lebten während Lipperts Praktikum auf dem norwegischen Bauernhof.

 

Zwei Mal täglich Kühe füttern, ausmisten und melken waren ihre Aufgaben. Sich um die Kälbchen und Lämmchen zu kümmern und diese teilweise sogar mit dem Fläschchen aufzuziehen, war etwas ganz Besonderes für Anna Lippert. „Die Tiere wachsen einem schnell ans Herz und es ist schön zu sehen, wie sie größer werden“, erzählt sie freudig. Auch das Zusammenleben mit der Gastfamilie verlief sehr harmonisch und reibungslos. 

Da Anna Lippert für die Zeit des Praktikums ihre unselbstständige Berufstätigkeit in Österreich, mittels vereinbarten unentgeltlichen Sonderurlaubs, unterbrach und dadurch der österreichische Versicherungsschutz weggefallen ist, musste sie sich um eine private Versicherung umsehen, um im Falle des Falles geschützt zu sein. Die Arbeit am Betrieb ging problemlos vonstatten – es gab weder Verletzungen noch Unfälle oder Krankheiten.

   

Die SVB empfiehlt allen künftigen Praktikantinnen und Praktikanten, sich rechtzeitig vor dem Auslandsaufenthalt auf einem der Sprechtage der SVB, die bundesweit angeboten werden, über ihren individuellen Versicherungsschutz zu informieren. Hier kommen Sie zu den Sprechtagsterminen: Sprechtage

  

Zuletzt aktualisiert am 06. November 2017